Wer eine Isolierfolie mit UL 94 V-0 in 0,125 oder 0,25 mm sucht, stößt in Datenblättern oft auf die Angabe VTM-0. VTM-0 ist kein schwächeres V-0. Es ist das Ergebnis eines eigenen Prüfverfahrens, das UL für dünne Folien entwickelt hat. Der Grund: Im V-Test verformen sich dünne Folien so stark, dass das Ergebnis keine Aussagekraft hätte. Das VTM-Verfahren soll für diese Folien eine mit V-0 vergleichbare Aussage liefern. VTM-0 ist darin die beste Klasse. Vergleichbar heißt aber nicht identisch: Verlangt eine Spezifikation wörtlich V-0, ist VTM-0 kein automatischer Ersatz.
Was ist UL 94?
UL 94 ist die Norm der Prüforganisation UL (Underwriters Laboratories) zum Brandverhalten von Kunststoffen in Geräten und Bauteilen. Der Kern für die elektrische Isolation ist die V-Prüfung mit den Klassen V-0, V-1 und V-2, wobei V-0 die beste ist. Für dünne Folien, die sich für die V-Prüfung nicht eignen, gibt es das VTM-Verfahren mit den Klassen VTM-0, VTM-1 und VTM-2. Daneben kennt UL 94 noch die horizontale Prüfung HB und die Prüfung mit größerer Flamme (5VA, 5VB).
Die internationale Entsprechung der V-Prüfung ist IEC 60695-11-10, die der VTM-Prüfung ISO 9773.
Eine UL-94-Einstufung gilt immer für das geprüfte Material in der geprüften Stärke und Farbe. Dasselbe Material kann deshalb in 0,25 mm VTM-0 und in 0,43 mm V-0 erreichen.
Wie geprüft wird
Die V-Prüfung (V-0, V-1, V-2)
Ein Probestab von 125 mm Länge und 13 mm Breite wird oben eingespannt und hängt senkrecht. Darunter liegt eine Lage Watte. Von unten wird eine 20 mm hohe Flamme zehn Sekunden lang an das untere Ende gehalten und dann entfernt. Gemessen wird, wie lange der Stab nachbrennt. Sobald er erlischt, folgt eine zweite Beflammung von zehn Sekunden. Geprüft werden fünf Stäbe.
Für V-0 muss jeder Stab nach jeder Beflammung innerhalb von 10 Sekunden von selbst verlöschen. Alle fünf Stäbe dürfen in Summe höchstens 50 Sekunden nachbrennen. Es dürfen keine brennenden Tropfen fallen, die die Watte entzünden, und kein Stab darf bis zur Einspannung abbrennen. Bei V-1 sind 30 Sekunden Nachbrennzeit je Stab erlaubt. V-2 entspricht V-1, lässt aber brennende Tropfen zu, die die Watte entzünden.
Warum dünne Folien anders geprüft werden
Eine dünne Folie verhält sich in der Flamme nicht wie ein Stab. Sie schrumpft weg, rollt sich ein oder biegt sich von der Flamme fort. Der V-Test würde dann nicht mehr messen, wie gut das Material einem Brand widersteht, sondern wie schnell es sich verformt. Deshalb wurde für dünne Materialien das VTM-Verfahren entwickelt. VTM steht für „Vertical Thin Material“.
Dass eine Folie nach VTM statt nach V geprüft wird, ist also kein Zeichen für schlechteren Brandschutz. Es ist die Prüfung, die für diese Materialform vorgesehen ist.
Die VTM-Prüfung (VTM-0, VTM-1, VTM-2)
Ein Folienstreifen von 200 mm Länge und 50 mm Breite wird um einen Dorn von 12,7 mm Durchmesser zu einer Röhre gerollt und am oberen Ende mit Klebeband fixiert. Danach wird der Dorn herausgezogen. 125 mm vom unteren Ende entfernt ist eine Markierung angebracht. Die Röhre hängt senkrecht über einer Lage Watte und wird zweimal je drei Sekunden lang mit einer 20 mm hohen Flamme beflammt. Geprüft werden fünf Proben.
Für VTM-0 muss jede Probe nach jeder Beflammung innerhalb von 10 Sekunden verlöschen. Alle fünf Proben zusammen dürfen höchstens 50 Sekunden nachbrennen. Keine Probe darf bis zur 125-mm-Markierung brennen, und es dürfen keine brennenden Tropfen die Watte entzünden. VTM-1 und VTM-2 sind wie V-1 und V-2 abgestuft.
V-0 und VTM-0 im Vergleich
| V-0 | VTM-0 | |
|---|---|---|
| Für welches Material | Stäbe, Platten, dickere Folien | dünne Folien, die sich im V-Test verformen |
| Probe | Stab 125 × 13 mm, senkrecht | Folie 200 × 50 mm, zur Röhre gerollt, senkrecht |
| Beflammung | zweimal 10 Sekunden | zweimal 3 Sekunden |
| Nachbrennzeit je Probe | höchstens 10 Sekunden | höchstens 10 Sekunden |
| Nachbrennzeit, fünf Proben gesamt | höchstens 50 Sekunden | höchstens 50 Sekunden |
| Brennende Tropfen, die Watte entzünden | nicht zulässig | nicht zulässig |
| Rang | beste Klasse der V-Prüfung | beste Klasse der VTM-Prüfung |
Die Grenzwerte für das Verlöschen sind gleich. Unterschiedlich sind die Form der Probe und die Dauer der Beflammung. Das VTM-Verfahren liefert deshalb für dünne Folien eine mit V-0 vergleichbare Aussage, aber kein identisches Prüfergebnis.
Was das für Ihre Bauteilauswahl bedeutet
Entscheidend ist, was Ihre Produktnorm oder die Spezifikation Ihres Kunden vorschreibt.
- Die Spezifikation nennt „V-0 oder VTM-0“. Dann erfüllt eine dünne Folie mit VTM-0 die Anforderung.
- Die Spezifikation nennt ausschließlich „V-0“. Dann brauchen Sie ein Material, das in Ihrer Einbaustärke V-0 erreicht. Bei dünnen Folien heißt das meist: eine größere Stärke wählen.
- Sie sind unsicher. Fragen Sie Ihre Prüfstelle oder die Stelle, die Ihr Gerät abnimmt, bevor Sie die Stärke festlegen. Eine nachträgliche Änderung ist teurer als eine Rückfrage.
Prüfen Sie außerdem immer drei Angaben gemeinsam: Brandklasse, Stärke und Farbe. Eine Einstufung gilt nur für die Kombination, die bei UL eingetragen ist.
Brandklassen von DURAVOLTA nach Stärke
DURAVOLTA ist die halogenfreie, flammhemmende Polypropylenfolie der 1A STAR technische Kunststoffe GmbH in Kirchhundem, bei UL eingetragen unter der File-Nummer E354767.
| DURAVOLTA-Typ | Stärke | UL 94 |
|---|---|---|
| DURAVOLTA 10 | 0,10 mm | nicht UL-eingestuft |
| DURAVOLTA 12 | 0,125 mm | VTM-0 (eigene Prüfung, UL-Eintragung in Vorbereitung) |
| DURAVOLTA 25 | 0,25 mm | VTM-0 |
| DURAVOLTA 43 | 0,43 mm | V-0 |
| DURAVOLTA 76 | 0,76 mm | V-0 |
| DURAVOLTA 100 | 1,00 mm | V-0 |
Die Einstufung gilt für die weiße Standardausführung. Platten mit 2 und 3 mm Stärke sind nicht bei UL eingestuft; erfahrungsgemäß erreicht ein Material die Brandanforderungen umso leichter, je dicker es ist.
Wenn Ihre Spezifikation V-0 verlangt, ist DURAVOLTA 43 mit 0,43 mm die dünnste passende Stärke. Wenn VTM-0 genügt, ist es DURAVOLTA 25 mit 0,25 mm.
Alle UL-Werte, die Fertigung und das Lieferprogramm stehen auf der Seite DURAVOLTA: Hersteller ist 1A STAR in Kirchhundem.
Häufige Fragen
Ist VTM-0 schlechter als V-0?
Nein. VTM-0 ist die beste Klasse der VTM-Prüfung, so wie V-0 die beste Klasse der V-Prüfung ist. Das VTM-Verfahren wurde entwickelt, um für dünne Folien eine mit V-0 vergleichbare Aussage zu erhalten, und die Grenzwerte für das Verlöschen sind gleich. Weil Probenform und Beflammungsdauer abweichen, sind beide Klassen aber nicht austauschbar, wenn eine Spezifikation ausdrücklich V-0 verlangt.
Warum hat eine 0,25-mm-Folie kein V-0?
Weil dünne Folien in der Regel nach dem VTM-Verfahren geprüft werden. Im V-Test schrumpfen oder verformen sie sich, und das Ergebnis hätte keine Aussagekraft. Die VTM-Prüfung rollt die Folie zu einer Röhre und ist damit auf diese Materialform zugeschnitten.
Kann ich VTM-0 einsetzen, wenn V-0 gefordert ist?
Das hängt vom Wortlaut der Anforderung ab. Steht dort „V-0 oder VTM-0“, ja. Steht dort nur „V-0“, brauchen Sie ein Material mit V-0 in Ihrer Einbaustärke. Im Zweifel klären Sie das mit Ihrer Prüfstelle, bevor Sie die Stärke festlegen.
Gilt V-0 für alle Stärken eines Materials?
Nein. Eine UL-94-Einstufung gilt für die geprüfte Stärke beziehungsweise den eingetragenen Stärkenbereich und die geprüfte Farbe. DURAVOLTA zum Beispiel erreicht V-0 von 0,43 bis 1,1 mm und VTM-0 bei 0,25 mm; DURAVOLTA 12 mit 0,125 mm erreicht VTM-0 nach eigener Prüfung, die UL-Eintragung ist in Vorbereitung.
Welche Norm entspricht UL 94 international?
Die V-Prüfung entspricht IEC 60695-11-10, die VTM-Prüfung ISO 9773. Die Brandklassen von DURAVOLTA sind laut UL-Eintrag auch nach IEC 60695-11-10 bestätigt.
Stand: Oktober 2026